Scheinheilige Selbstrechtfertigung
25. Februar 2010 von spero
Auch in Mexiko gibt es natürlich relativ fixes Internet, so dass ich mir „Hart aber Fair“ über WebTV angucken konnte.
(Irgendwie merke ich immer wieder, dass meine Berichterstattung nicht besonders aktuell ist. Das liegt zunächst mal an der Zeitverschiebung aber in diesem Fall auch daran, dass das WebTV erst nach der Ausstrahlung im TV läuft. Andererseits ist das aber auch ziemlich egal, da ich ja hier nicht KNA 2.0 spielen will, sondern meine Gedanken über das Geschehene und Gesehene darstellen möchte.)
Insgesamt fand ich die Diskussion recht langweilig, weil sehr vorhersehbar.
Was mich am meisten gestört hat, war auf jeden Fall diese scheinheilige Selbstrechtfertigung von Heiner Geißler und Bascha Mika. Beide haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie vom Zölibat nichts verstanden haben und sich selber absolut nicht in der Lage sähen, diesen zu leben. Beiden war es aber unmöglich zuzugeben, dass ein katholischer Priester etwas kann, was solch aufgeklärten Menschen nicht möglich ist. Damit würde man ja schließlich auch sein gesamtes Weltbild in Frage stellen. Nein, schuld war natürlich der Zölibat, der böse und menschenverachtend ist und deshalb klein und madig geredet werden musste.
Und genau diese unbelehrbar dumpf-spießige Affektiertheit von Herrn Geißler und Frau Mika war es dann, die das Fass bei Andreas Englisch zum Überlaufen brachte. Herrlich wie der abgegangen ist und völlig korrekt was er das sagte! Mein Respekt Herr Englisch! Das war mal ein Beispiel für „Heiligen Zorn“! Sie haben eindrucksvoll geschildert wozu Menschen in der Lage sind, die den Zölibat leben und auch verstanden haben was er ist: Ganzhingabe!
Aber nun etwas zu den „Argumenten“ gegen den Zölibat:
Herr Geißler, wenn Sie einsehen mussten, dass SIE den Zölibat nicht leben können, dann lassen sie bitte andere Menschen mit ihren fadenscheinigen Entschuldigungen und Rechtfertigungen dafür in Ruhe. Sagen Sie einfach ein ehrliches „Ich kann es nicht“ und gut is. Meinen Respekt wäre Ihnen dann sicher. Ein gelingender Zölibat ist genau so eine Gnade wie eine gelingende Ehe und wenn Sie nicht mehr mit göttlicher Gnade rechnen, dann sollten Sie sich mal fragen, was Sie eigentlich in der KIRCHE erwarten? Glauben Sie, dass Kirche eine netter Sozialverein ist, der sich am besten dem Zeitgeist anpasst, weil es dann ja viel bequemer ist?
Menschlich gesehen sind sowohl Zölibat wie auch lebenslange Ehe unmöglich und nicht lebbar, da gebe ich Ihnen recht. Aber wir vertrauen darauf, dass Gott uns dabei hilft. Wir müssen das nicht alleine schaffen. Natürlich gibt es gescheiterte Zölibatäre und auch gescheiterte Ehen, aber ist das ein Argument?
Es stimmt, ein Drittel aller Ehen wird geschieden, aber das heisst auch, dass zwei Drittel aller Ehen halten! Das ist Gnade! Und beim Zölibat ist es ähnlich, natürlich gibt es auch Leute die das nicht schaffen, aber es gibt so viel mehr, die es schaffen und für die der Zölibat in letzter Konsequenz nicht ein Hindernis sondern ein Weg zu Gott und zu den Menschen ist.
Es wäre nett, wenn Sie das mal anerkennen könnten. Und was soll bitte das Argument dass der Zölibat ja das richtige für Ordensleute wäre aber nicht für Weltpriester? Auch ein Weltpriester ist nicht einfach ein Gemeindevorsteher oder Prediger. Auch ein Weltpriester ist aufgefordert zur Ganzhingabe. Und wenn es schon beim Zölibat hapert, wie soll es dann in anderen Bereichen klappen? Wir brauchen keine 1000 Priester die 50% dabei sind sondern dann lieber 10 Priester, die 120% dabei sind. Es gibt kein Recht auf die Priesterweihe, sondern auch diese ist immer Gnade.
Herr Geißler ich glaube ihr Hauptproblem mit der Kirche und dem Zölibat ist, dass sie nicht mehr mit göttlicher Gnade rechnen, sondern glauben, dass alles „menschlich machbar“ sein muss. Gnade ist ein Geschenk, dem man sich auch verweigern kann. Warum lassen nicht auch Sie sich beschenken, Herr Geißler?
Frau Mika, glauben Sie an Gott? Ich bin mir nicht sicher und möchte mir kein Urteil darüber erlauben. Wenn Sie aber an Gott glauben, warum können Sie nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt, die mit Gottes Hilfe sexuell enthaltsam leben können? Passt das nicht in Ihr Gottesbild? Dann seien Sie bitte tolerant genug, die Gottesvorstellungen anderer Menschen so stehen zu lassen.
Wenn Sie nicht an Gott glauben, wie können Sie dann erntshaft meinen verstehen zu können, was Menschen bewegt, die in ihrem Leben ganz auf Gott setzen? Glauben Sie erntshaft, Sie könnten das? Das ist ignorant. Dann seien Sie doch bitte ehrlich und sagen, dass sie das ganze für Unfug halten, WEIL Sie nicht an Gott glauben. Denn das ist dann Ihr wirkliches Argument und nicht die ganzen Punkte die sie sonst so vorschieben.
Es wurde auch relativ klar, dass sie immer noch der veralteten Sexualmoral anhängen, dass ein völliges Ausleben der sexuellen Triebe Freiheit bedeute. Gilt das auch für den Aggressionstrieb? Wenn nicht, warum nicht? Gibt es denn „gute“ und „böse“ Triebe? Und wenn ja woher wissen Sie eigentlich was gut und böse ist? Es hat sich in den letzten 30- 40 Jahren wohl gezeigt wie „frei“ man wird, wenn man sich zum Sklaven seiner Triebe macht.
Für den Fall, dass sie wirklich so aufgeklärt sein wollen, wie Sie tun, dann beschäftigen Sie sich bitte mal mit der ‘Theologie des Leibes’ (wie Ihnen auch Sarah das schon nahe gelegt hat). Dann können wir über Ihre Vorstellung von Sexualität reden. Wenn Sie sich nicht damit beschäftigen wollen, dann müssen Sie sich wohl als unaufgeklärt bezeichnen lassen, denn dann ist Ihre Unmündigkeit in Fragen der modernen menschlichen Sexualität selbstverschuldet, womit sie nach Kant unaufgeklärt wären.
Herr Geißler und Frau Mika, tun Sie uns Ihnen den Gefallen und denken Sie mal scharf und selbstkritisch darüber nach WARUM sie so gegen den Zölibat sind. Sind es wirklich die Gründe die Sie immer vorschieben? Oder liegt es viel mehr daran, dass Sie, Herr Geißler, nicht mehr an göttliche Gnade glauben und Sie, Frau Mika wohlmöglich gar nicht an Gott? Dann seien Sie aber auch bitte so ehrlich und legen die Karten auf den Tisch und hören mit diesem Rumgetänzel auf.
Anmerkung:
Falls ich mich in der Analyse Ihrer Motive geirrt haben sollte, so bitte ich Sie um Entschuldigung. In diesem Fall lade ich Sie beide ein, mal Ihre Argumente mit stichhaltigen Begründungen auf den Tisch zu legen und bitte Sie, für zukünftige Diskussion auf ignorant-ideologiches Gerede (Herr Geißler) und pseudo-aufgeklärt, selektiv-tolerantes Gehabe (Frau Mika) zu verzichten.










