Nun ist es also soweit: Bischof Mixa bietet dem Papst angeblich seinen Rücktritt an.
Auf der einen Seite die jubelnde Meute, die sich schon freut endlich einen Konservativen abgesägt zu haben. Auf der anderen Seite diejenigen Katholiken, die den Teufel am Werk sehen und heulend und zähneknirschend die böse gottlose Welt verfluchen. Und irgendwo dazwischen: ich.
Ja ich finde es absolut schäbig, rückgratlos und billig wenn ich sehe wie manche Zeitungen, allen voran die Süddeutsche, über den Fall berichten, wie Nachrichten bewusst verzerrt dargestellt werden, entlastende Details nicht genannt werden, Vorverurteilungen ausgesprochen werden und jede Kleinigkeit auf die Goldwaage gelegt wird. Ja, darüber rege ich mich sehr wohl auf und diese ganze Kampagne hat mir nur gezeigt wie es um die “unabhängige” Presse in Deutschland bestellt ist!
Auf der anderen Seite steht ein Verhalten und Öffentlichkeitsgebahren von Bischof Mixa, das an Naivität kaum zu überbieten ist. Ja, ich glaube ihm, dass ausser ein Paar Watschn nix passiert ist und auch was die finanziellen Ungereimtheiten angeht bin ich mir sicher, dass da sehr viel hochgejodelt wurde und bei Lichte betrachtet alles halb so wild war. Kurzum, rein faktisch gibt es kaum einen vernünftigen Grund für den Rücktritt. Bischof Mixa ist für mich weiterhin eine Respektsperson und moralische Autorität. Ich denke, dass können auch viele andere Katholiken so unterschreiben. Das Problem ist aber, dass Bischof Mixa nicht einfach zu uns Katholiken gesprochen hat, sondern zu einer zur Zeit im besten Falle kritisch und im schlimmsten Falle feindselig gestimmten Öffentlichkeit. Und das nicht in einer Zeit wo alle die Kirche toll finden oder ihr neutral gegenüberstehen, sondern in einer Zeit, in der die Kirche eh schon am Pranger steht und um Glaubwürdigkeit kämpfen muss. Sein Verhalten war absolut unprofessionell! Wie kann man denn sowas machen?! Ich bin echt richtig sauer darüber! Warum ist er nicht sofort voll in die Offensive gegangen? Direkt die Watschn zugeben, sich vom Rest klar distanzieren und die angeblichen Fälle sofort untersuchen lassen. Kein Gezauder, kein Zögern, sondern mit Mut in die Bresche springen! Ich bin echt enttäuscht wie leicht ein so guter Bischof ein Opfer der Medienmeute werden konnte.
Auf der Ebene des Vatikans läuft es in Sachen Öffentlichkeitsarbeit jedoch kaum besser. Jeder in der Kurie meint er müsse mal eben sein Statement an den Mann bringen und vergisst dabei leichtfertig, dass für die Öffentlichkeit nicht der Herr Kardinal Soundso seine Privatmeinung kundgetan hat, sondern für die Öffentlichkeit hat “der Vatikan” oder “die Kirche” gesprochen.
Wie kann denn sowas passieren? Ist es vielleicht die falsche Sicherheit, in der man sich jahrelang gewogen hat? Die scheinbare Sicherheit, dass es Presse und Gesellschaft letztendlich doch gut meinen mit der Kirche und auch mal beide Augen zudrücken? Ich glaube mit dieser Sicherheit ist nun ein für alle mal vorbei. Aber leider ist wohl Bischof Mixa das erste prominente Opfer in Deutschland geworden. Selbst wenn er nicht zurücktritt kann er in Zukunft nicht mehr als moralische Autorität in der Öffentlichkeit auftreten. Er wird da einfach nicht mehr ernst genommen werden.
Diese naive Unbedarftheit auf allen Ebenen regt mich einfach auf. Ihr Bischöfe und Kardinäle, ihr vertetet die Kirche und nicht euch selbst! Ihr vertretet auch uns, die Gläubigen und ihr vertetet auch Gott! Wieviele Leute wenden sich aufgrund von solchem Mist von der Kirche und letztendlich auch von Gott ab? Das habt auch ihr zu verantworten!! Warum könnt ihr euch nicht zusammenreissen? Warum nehmt ihr euch keine professionelle Beratung, die die Wirkung eurer Worte abschätzen kann und diese geschickt zu platzieren weiß?
Ich hoffe den Würdenträgern der Kirche, besonders in Deutschland, wird jetzt mal klar, dass man auf diesem Bereich in keinem Fall schlafen darf. Ich hoffe hier besonders auf die jungen Bischöfe à la Overbeck, Ackermann und Tebartz-van Elst. Wir können keine grauen Halb-Beamten als Pressesprecher der Bistümer gebrauchen, wir brauchen aufgeweckte, gläubige, selbstsichere, gewitzte und ja, auch angriffsbereite Sprecher. Wir brauchen Justiziare, die im Null Komma Nix die Folgen abschätzen und das richtige Vorgehen vorschlagen können. Wir brauchen lebendige Internetseiten, informative Hotlines, effektives Informationsmanagement, in einem Satz: professionelle Öffentlichkeitsarbeit!
Ich liebe die Kirche und deshalb bin ich es wirklich leid, dass sie so einfach in den Dreck gezogen werden kann und dass wir die besten Leute verlieren und das nur wegen unprofessioneller Öffentlichkeitsarbeit!!